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Gewicht des Wortes – am Beispiel der Zimmerischen Chronik u.A.

Eigentlich sind Worte nur Worte. Dennoch neigt der Mensch dazu, das Wort außerordentlich wichtig zu nehmen und ihm eine Stellung einzuräumen, in der es mit den Tatsachen konkurrieren kann. Einige der Dinge, die ihm besonders wichtig sind, bestehen sogar aus nichts anderem als Worten, allen voran die Religionen. Wortgebilde haben unter Umständen nicht nur eine hohe Wirkungsmacht, sondern können bei hoher Wandlungsfähigkeit auch außerordentlich langlebig sein, man denke an Weltbilder, Geschichtsauffassungen, Mythen, literarische Werke, Verträge oder Gesetze. Dies mag der Grund dafür sein, dass dem Wort mitunter auch in der Seinsordnung ein außerordentlich hoher Rang zugeteilt wird. Manche Denker sind so weit gegangen, das Wort nicht, wie nahe liegend, als ein Produkt zu sehen, welches auf der höchsten Stufe des Seins entstanden ist. Sie stellen es vielmehr an den Anfang desselben, so dass das Wort geradezu als der Grund des Seins erscheint (Am Anfang war das Wort).

Über die Gründe, warum der Mensch das Wort so wichtig nimmt, kann man nur spekulieren. Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass  das, was ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet, eben die hohe Ausbildung des Wortes und der extensive Umgang damit sind. Die Annahme liegt daher nicht fern, dass in der Wertschätzung des Wortes das Bewusstsein von seiner eigenen Wichtigkeit zum Ausdruck kommt. Dies gilt umso mehr, als der Mensch bis vor Kurzen noch geglaubt hat, dass er allein über Worte verfüge, weswegen er sich für ein Wesen von singulärer Qualität gehalten hat. Eine nicht unwichtige Rolle spielt wohl auch der Umstand, dass der Mensch mit Hilfe des Wortes die Möglichkeit sieht, unangenehme Tatsachen zu umgehen  – besonders deutlich bei den variantenreichen Versuchen, die Tatsache des Todes zu mildern oder gänzlich wegzuformulieren, etwa mit Unsterblichkeits- und Wiederauferstehungs-theorien.  Vielleicht räumt der Mensch dem Wort gegenüber den Tatsachen auch deswegen eine so hohe Stellung ein, weil er sich mehr oder weniger deutlich des Umstandes bewusst ist, dass ihm die Tatsachen auch nur durch Vermittlung jenes Organs zugänglich sind, das auch die Worte erzeugt. Dadurch erscheint der Wirklichkeitsvorsprung der Tatsachen reduziert und das Gewicht des Wortes erhöht. Sicher hat die hohe Wertschätzung des Wortes aber  auch damit zu tun, dass der Mensch das Gefühl hat, das so einmalige, letztlich aber doch weiche Wort gegenüber den harten Tatsachen besonders schützen zu müssen. Daher ist er zum Schutz des Wortes unter Umständen auch bereit, das Leben anderer anzutasten und  sogar sein eigenes Leben zu opfern.

Schon das gesprochene Wort ist dem Menschen unter gewissen Umständen sehr wichtig. Richtig Gewicht kann es aber erhalten, wenn es niedergeschrieben ist. Besonders in diesem Aggregatzustand kann es den Tatsachen den Rang ablaufen. Das wussten nicht zuletzt diejenigen, welche Buchreligionen gründeten und ausformulierten einschließlich der großen Schar von Interpreten, welche sich mit der Auslegung der für heilig erklärten Bücher befassen. Unter Berufung auf den festen Aggregatzustand postulieren sie mitunter den absoluten Vorrang des Wortes gegenüber den Tatsachen. In einer Art verbaler Kettenreaktion beansprucht dabei auch das gesprochene Wort wieder ein besonderes Gewicht, indem es sich auf das geschriebene und damit geheiligte Wort beruft. In manchen Kulturen, etwa bei den Mayas, hat das geschriebene Wort fast nur die Funktion, den absoluten Geltungsanspruch des Wortes zu untermauern. Hier dient die Schrift nicht, wie in den eurasischen Schriftkulturen, in erster Linie der Kommunikation und der Dokumentation, sondern hat im Wesentlichen magische Funktionen, nämlich als Geheim- und Legitimationscode der herrschenden Priesterschaft.

Die besondere Wirkungsmacht des geschriebenen Wortes kannten nicht zuletzt die Verfasser und Auftraggeber von Geschichtswerken, vor allem von Annalen, Genealogien und Chroniken. Insbesondere letztere dienten meist dazu, Ansprüche von Ständen oder Familien auf gesellschaftliche Führungspositionen dadurch zu begründen oder zu stärken, dass man dieselben weit in der Vergangenheit und zwar möglichst in einer als heroisch geschilderten Frühzeit befestigte. Nicht zuletzt große Herrscher verfielen dieser Versuchung – man denke an Augustus, der Vergil damit beauftragte, Rom und das julische Kaiserhaus tief in der Welt der homerischen Epen, den wichtigsten Wortwerken der Antike, zu verankern. Durch den Rückbezug der römischen Geschichte und des Kaiserhauses auf Troja, dessen Schutzgöttin Venus war, erhielten Rom und Augustus nicht nur einen uralten göttlichen, dazu noch erotischen Ursprung. Sie konnten so auch noch  eigenes Gewicht gegenüber den Griechen als der hergebrachten Führungsmacht über das Wort behaupten, nachdem sie diese in Revision der homerischen Niederlage schließlich politisch unterworfen hatten.

Auch kleinere Herrscherhäuser versuchten, sich die Suggestionskraft des geschriebenen Wortes zu Nutze zu machen. Rund eineinhalb Jahrtausend nach Beginn des römischen Kaisertums bemühte sich in einem politischen Krähwinkel Südwestdeutschlands ein soeben aufgestiegenes Grafengeschlecht, seine Genealogie tief in der Geschichte zu verankern, wobei man sich –  gewichtige alte Mythen weiterspinnend – auf Rom und das Kaisertum bezog. In der Zimmerischen Chronik aus der ersten Hälfte des 16. Jh. wird die Geschichte des Geschlechtes der Grafen von Zimmern, die im oberen Donautal herrschten, unter Vertrauen auf die Überzeugungskraft des bloßen Wortklanges ihres Namens bis zu den Cimbern zurück geschrieben. Damit bezog man sich auf den germanischen Volksstamm, welcher in einer ersten Welle der Völkerwanderung gemeinsam mit den Teutonen damit begann, den universalen Herrschaftsanspruch Roms, der sich später  im Kaisertum kristallisierte, von Norden aus in Frage zu stellen, was eine Entwicklung von epochaler Bedeutung einleitete. Allerdings bestand für den Verfasser der Chronik die Schwierigkeit, dass die Cimbern um 100 v. Chr. von den Römern unter Marius vernichtend geschlagen und ihre Geschichte damit eigentlich beendet war. Dennoch will die Zimmerische Chronik wissen, dass sich hochrangige Nachfahren der  Cimbern noch fast tausend Jahre unterscheidbar in Rom gehalten haben. Von dort soll sie schließlich niemand geringeres als Karl der Große, der den „teutonischen“ Anspruch auf den römischen Kaiserthron erstmals vollständig durchsetzte, in den Schwarzwald umgesiedelt haben, wo die Cimbern schließlich im Geschlecht der von Zimmern noch einmal auskristallisierten. Mit dieser Geschichte, die tief in große Zeiten und Ereignisse von epochaler Bedeutung  reichte, versuchte sich ein kleines schwäbisches Adelsgeschlecht eine bedeutsame Herkunft zu verschaffen, natürlich um damit den Anspruch auf eine ebenso große Zukunft zu begründen.

Die Dauer der Verhältnisse, welche auf Worte gebaut sind, ist sehr unterschiedlich. Der Mythos Roms und des Kaisertums etwa hatte rund zweitausend Jahre Bestand und lebt in Form der lateinischen Kirche in gewisser Weise bis heute weiter. Der Verewigungsversuch der Grafen von Zimmern war weniger erfolgreich. Mangels entsprechenden Nachwuchses ist das Geschlecht schon eine Generation nach Erstellen der Chronik ausgestorben. In letzter Konsequenz können Worte eben doch nur begrenzt mit den Tatsachen konkurrieren.

Ein- und Ausfälle – Westliches und Asiatisches Denken

Es fällt auf, dass sich an den Bemühungen um die Entzifferung der Mayaschrift ausschließlich Europäer beteiligen – Vertreter von Europas ost- und westliche Dependancen wie Amerika und Russland inklusive. Diese Tatsache illustriert besonders schön, dass das wissenschaftliche Denken, welches Europa entwickelte, nach wie vor eine besondere Qualität hat. Daran ändert auch nichts der Umstand, dass sich Wissenschaft von Europa  inzwischen über die Welt und nicht zuletzt auch nach Asien verbreitet hat. 

Europäer haben immer auch dadurch Erkenntnisse über die Organisation und Funktionsweise von Gesellschaften sowie die Strukturen kultureller Prozesse zu erlangen versucht, dass sie ihre Welt mit anderen Lebenswelten verglichen haben. Da sich die eurasischen   Kulturen, die eine ähnliche Höhe aufweisen und sich daher als Vergleichsobjekte anbieten würden, alle gegenseitig beeinflusst haben, können sie jedoch nur in begrenztem Maße erkenntnisfördernde Gegenbilder abgegeben. Besonders fruchtbare Erkenntnisse kann man aber von der Erforschung von Kulturen erhoffen, die sich weitgehend unabhängig von den eurasischen Kulturen zu einer ähnlichen Höhe entwickelt haben. Dies  ist bei den mesoamerikanischen Kulturen der Fall.  Die Bemühungen um die Entzifferung der Mayaschrift sind allein schon für das Verständnis des Entstehens und der Funktionsweise der Schrift  als eines fundamentalen kulturellen Prozesses (und im Übrigen für das inhaltliche Verständnis dieser Hochkultur) von entscheidender Bedeutung. Gerade Chinesen oder Japaner müssten, da ihre Schrift in vielen Punkten Parallelen zur Mayaschrift aufweist,  an der Entzifferung dieser Schrift interessiert sein. Dennoch beteiligen sich daran, wie gesagt, keine Asiaten.  

Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass in Europa im Hintergrund des Forschen in besonderem Maße das „Warum“, in Asien aber  eher das „Wozu“ steht. Mit der Entzifferung einer toten Schrift und dem Verständnis einer erloschenen Kultur, die dahinter zum Vorschein kommt, kann man aber nur sehr grundsätzliche Fragen, eben die nach dem „Warum“ beantworten. Solche Erkenntnisse sind zunächst einmal zu wenig zu gebrauchen. 

Die weitgehende Beschränkung des Nachdenkens auf das „Wozu“ ist  insbesondere in Ostasien tief verwurzelt. Im alten China gab es zwar eine sehr hoch entwickelte Technologie aber wenig Forschung, die den Dingen auf den Grund ging. Damit fehlte es an einem Denken, welches Grundlagen für gänzlich neue Sichtweisen der Welt legen kann. Diese Kulturen haben daher auch nur wenige echte wissenschaftliche Erkenntnisse und insbesondere  wenig Überraschendes betreffend das Verständnis der allgemeinen Zusammenhänge der menschlichen Kultur hervorgebracht, ein Grund dafür, dass überkommene gesellschaftliche Strukturen hier über lange Zeit weitgehend stabil blieben. Es dürfte aber auch ein wesentlicher Grund dafür sein, dass diese Gesellschaften mangels Übung im Umgang mit der Frage nach dem „Warum“ völlig destabilisiert wurden, als sie sich, wie etwa in der chinesischen Kulturrevolution oder in dem kambodschanischen Sozialexperiment der 70-er Jahre,  die fundamentale europäische Denkweise zu Eigen zu machen und alles Überkommene in Frage zu stellen versuchten.

Ein-und Ausfälle – Descartes und sein Gottesbeweis

Descartes meinte, man könne die gedanklichen Probleme so lange zerlegen, bis lauter kleine und einfache Fragestellungen übrig bleiben, deren Antwort gewissermaßen auf der Hand liege. Damit verwendete er eine ähnliche Methode der Problembehandlung wie der Computer. Eigentlich müsste er auch zu ähnlich genauen (und letztlich ebenso unfruchtbaren) Ergebnissen wie der Computer  gelangt sein. Dass dies nicht der Fall war, lag daran, dass er seine Methode nicht eben genau anwendete, was ihn (eben doch) als Philosophen ausweist. So konnte er, der doch, um nicht das Opfer bloßer Denkgewohnheiten zu sein, erst einmal alles bezweifeln wollte, etwa zu dem Ergebnis kommen, dass etwas so wenig Zweifelsfestes wie die Existenz Gottes, über jeden Zweifel erhaben sei.

Ein- und Ausfälle – Wiedergeburtslehre und Ewigkeitsphantasie

In der modernen Gesellschaft verkehrt sich der Sinn der alten Wiedergeburtslehre in sein Gegenteil. Der Gedanke von der Wiedergeburt, der in Südasien beheimatet ist und bis in die europäische Antike wirkte, drückte ursprünglich die schier unendliche Größe des menschlichen Leidens aus. Dem entsprechend richtete sich alles Bestreben darauf, den endlosen Kreislauf der Wiedergeburten verlassen und damit das Leiden beenden zu können. In der modernen Spaßgesellschaft hat die Wiedergeburtslehre hingegen in erster Linie die Funktion, das Leben, das als allzu kurz empfunden wird, zu verlängern, um so weitere Erlebnismöglichkeiten ausschöpfen zu können. Paradoxerweise bedienen jedoch beide Ansätze Ewigkeitsphantasien. So wie Platon aus der Wiedergeburtslehre die Unsterblichkeit der Seele ableitete, versucht der Erlebnishungrige mit ihrer Hilfe die Zumutung des Todes zu reduzieren.

Macht der Interpreten (Über die Funktion von Fundamentaltexten und ihrer Verwalter)

Gemeinschaftsordnende Texte, Gesetze etwa oder religiöse Grundbücher, können die Vielfalt des sozialen Lebens, das sie ordnen wollen, niemals vollständig erfassen. Sie behelfen sich daher mit Formulierungen die so eng wie möglich und weit wie nötig sind. Alte Texte sprechen dazu häufig in Bildern oder erzählen Geschichten. Um solche Texte in die Praxis umzusetzen, bedarf es der Auslegung. Diesem Geschäft, dem sich ganze Berufszweige verschrieben haben, kommt eine erhebliche Bedeutung zu. Es ist daher höchst lohnend, sich mit der Frage zu befassen, wie dieses Geschäft betrieben wird.

Auf den ersten Blick scheint es naheliegend, dass man bei der Interpretation gemeinschaftsordnender Texte versucht, den Willen des historischen Textverfassers zu ermitteln. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Autorität eines Textes gefährdet wäre, wenn der Eindruck entstünde, dass seine Interpreten ihn willkürlich behandeln. Zu diesem Standpunkt neigen religiöse Fundamentalisten. Die Folge freilich ist, dass ihre Entscheidungen nicht immer „zeitgemäß“ sein können. Denn der Text, den sie anwenden, ist in der Regel viele hundert Jahre alt.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass der historische Ansatz mehr Probleme aufwirft, als er löst. Was, so fragt man sich, ist zu tun, wenn der historische Verfasser von falschen Annahmen über tatsächliche Sachverhalte, etwa über den Beginn der Welt, ausging, wenn er gewisse Problemstellungen noch nicht gekannt oder bestimmte Fallkonstellationen übersehen hat? Was ist der Wille des Verfassers, wenn der Text, wie die Bibel oder Gesetze, nicht nur einen Verfasser hat oder im Laufe eines längeren Zeitraumes entstanden ist?

 Die Juristen als die professionellen Interpreten gemeinschaftsordnender Texte haben sich aus diesem Dilemma mit einem Trick geholfen (wobei wohl der Umstand eine Rolle spielte, dass das praktische Leben, mit dem die Juristen zu tun haben,  keine endlosen Diskussionen über den Willen des Textverfassers, sondern Entscheidungen verlangt). Der Trick: Sie lösten das Problem, indem sie den Textverfasser unsterblich machten. Die Folge ist, dass man ihn jederzeit zu seinem Willen zu befragen kann und er für immer in die Lage versetzt ist, eventuelle Gesetzeslücken zu füllen.

 Bei der Frage, wie man sich diesen unsterblichen Textverfasser vorzustellen habe, haben sich zwei Grundrichtungen gebildet. Die strengere Observanz sieht ihn in einer Institution, welche die andauernde Verfügungsgewalt über den Text besitzt – etwa im Parlament. Dementsprechend hat dieser immerwährende „Gesetzgeber“ Lücken selbst zu schließen und in gravierenden Zweifelsfragen Gesetze zu ergänzen oder zu präzisieren. Dass ein solches Verfahren umständlich ist und im Einzelfall unter Umständen zu spät kommt, liegt auf der Hand. Die pragmatischere Lösung ist daher die Annahme eines überzeitlichen – objektiven – Textsinnes, der den Willen des Gesetzgebers enthalten soll. Ihn zu ermitteln, überlassen die Anhänger dieser Auffassung den Richtern, die ihn in einer Art permanenter Diskussion von Fall zu Fall entwickeln.

 Nicht ganz so einfach ist die Situation der Theologen. Sie haben es mit einem Text zu tun, der überirdische Würde beansprucht, was naturgemäß die Anpassung durch Menschen von Fleisch und Blut erschwert. Allerdings haben sich insbesondere christliche Theologen hier flexibel gezeigt. Vom unmittelbaren Wortlaut der biblischen Geschichten ist, mit Ausnahme bei wenigen Fundamentalisten, für welche die Welt noch immer vor 6000 Jahren erschaffen wurde, häufig nicht viel übrig geblieben. Auch die meisten christlichen Interpreten suchen nach dem „Willen Gottes“ und vermuten ihn hinter den Geschichten, welche die Bibel erzählt. Vielleicht ist diese Entwicklung dadurch erleichtert worden, dass es keinen einheitlichen historischen Verfasser der biblischen Texte gibt, wodurch unterschiedliche Ansichten über den Inhalt dieser Texte vorprogrammiert waren.

Echte Probleme haben die Fundamentalisten, insbesondere solche, die davon ausgehen, es mit dem Text eines einzigen Verfassers zu tun haben. Denn das Festhalten am Willen des historischen Textverfassers führt paradoxerweise häufig gerade dort zu problematischen Ergebnissen, wo dieser sich besonders klar geäußert hat. Man denke etwa an das Abhacken der Hand, das der Koran in gewissen Fällen als Strafe für den Dieb vorsieht.   

Blickt man auf das Resultat derer, die von einem objektiven Textsinn ausgehen, so erstaunt die Weisheit ihrer Lösung. Zwanglos scheiden sie all das aus, was nur zeitbedingt ist, ohne das Bedürfnis der Menschen nach textlicher Autorität zu vernachlässigen. Der Lösung liegt allerdings auch wieder ein Trick zu Grunde. Die Vorstellung vom objektiven Sinn der Texte beruht auf einer Fiktion, der Behauptung nämlich, es gäbe so etwas wie einen überpersönlichen und überzeitlichen Inhalt eines Textes. Jeder, der mit Texten umgehen muss, weiß jedoch, dass man mit dieser Methode nur die mehr oder weniger gut fundierte Meinung der Interpreten darüber konstatieren kann, was der Sinn eines Textes sein soll.

Diese Methode arbeitet also in gewisser Weise mit einer Verschleierung der Tatsachen. Es handelt es sich allerdings um eine jener vernünftigen und offenkundigen kleinen Unwahrhaftigkeiten, die das Leben verkraften kann, ja die es geradezu zu brauchen scheint. Anders sieht es bei den Historisten aus. Auch sie bedienen sich einer Unwahrhaftigkeit, die allerdings von anderer Qualität ist. Denn wer, etwa bei modernen Sachverhalten, meint, den  -„subjektiven“- Willen des historischen Textverfassers wirklich ermitteln zu können, verdrängt die Tatsachen. Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass auch bei der Ermittlung eines angeblich historischen Willens des Textverfassers aktuelle gemeinschaftsordnende Interessen und Vorstellungen der jeweiligen Interpreten im Spiel sind. Im Unterschied zur „objektiven“ Methode werden dies bei der historischen Methode tief verschleiert.

Die „objektive“ Interpretation von gemeinschaftsordnenden Texten setzt allerdings eine Einsicht in die Funktion solcher Texte voraus, die möglicherweise erst bei einem gewissen Stand der gesellschaftlichen Entwicklung möglich ist. Offenbar kann man erst ab einem gewissen Stand des allgemeinen Bewusstseins, ohne dass die Textautorität verlorengeht, akzeptieren, dass selbst die heiligsten Texte nicht zuletzt Ordnungsfunktionen haben und dass sich ihr Sinn jenseits aller „Wahrheit“ aus dieser Funktion erschließt.

Erhebung (Philosophische Erzählung)

 

Alles fing damit an, dass eine jener vierfach abgestützten Kreaturen, die sich zutiefst lebendig auf der flachen Erde bewegten, den Überblick vermisste und sich erhob, um ihn zu erhalten. 

Es versteht sich, dass dieser Akt der Aufhebung Spannungen, ja Überspanntheiten bewirkte. Nichts hätte daher näher gelegen, als dass sich die Kreatur wieder auf ihre vier Füße begeben hätte. Doch die Erhebung war, nun da sie stattgefunden hatte, nicht mehr aufzuhalten. Eine Rückkehr zu stabilen Verhältnissen scheiterte, weil die Kreatur glaubte, sich den Halt, den sie brauchte, nun selbst schaffen zu können. Damit begann eine Bewegung, die auf Erden ohne Beispiel war und die – aus schwer festzumachenden Gründen – ins Unabsehbare führte. 

Die Kreatur verzichtete – Gott weiß durch welchen diabolischen Antrieb – auf das quadrupedöse Glück, auf Grund dessen sie bisher fest auf dem Boden der Tatsachen gestanden hatte. Sie hob zwei ihrer Stützen von der Unterlage, die ihr immer sicheren Halt gegeben hatte, erhöhte damit Kopf und Aussichtspunkt und betrachtete von dort die plötzlich weit gewordene Welt.

Die neue Stellung, die man später den aufrechten Gang nannte, weil man glaubte, so besser dazustehen, war allerdings höchst instabil. Denn die Kreatur, die unvermittelt aus behaglicher Horizontale in eine länglich-labile Vertikale gehoben worden war, bezahlte die unsachgemäße Aufrichtung mit dem Verlust ihres gesicherten Standes. Von nun an schwankte sie erheblich auf den verbliebenen Stützen. Mangels Halt musste sie Haltung suchen. 

Kaum stand nämlich die Kreatur auf ihren zwei Füßen, begannen sich die Dinge anders anzusehen. Die Welt, die ihr bislang klar und deutlich vor Augen gestanden hatte, war aus der neuen Perspektive weit und deutbar. Trotz der unklaren Aussichten weigerte sich die Kreatur  aber, auf den Boden gesicherter Gegebenheiten zurückzukehren. Seinen Grund hatte dies darin, dass sie sich in ihrer schwankenden Erhobenheit einer höheren Wahrheit näher wähnte. Die Einsicht darin glaubte sie in der Deutbarkeit zu finden, die aus der Erhebung über das Naheliegende resultiert. Mit geradezu artistischer Geschicklichkeit arrangierte sie sich nun mit der Unfestigkeit des Abstrakten. Die Instabilität des neuen Terrains glich sie durch die Einnahme eines Standpunktes aus. Diese Versuche führten in einen unendlichen Prozess der Überheblichkeit. 

Da sie keinen festen Boden mehr unter sich hatte, stellte die Kreatur nun Projektionen vor sich hin. Damit versuchte sie sich, von oben festzumachen. Stellte sich eine solche Vorstellung als haltlos heraus, entwarf sie unverdrossen neue Positionen. Aus diese Weise gelang ihr das Kunststück, sich durch immer neue und weitergehende Vorgriffe am eigenen Schopf in immer höhere Regionen emporzuziehen. 

Je höher die Kreatur den Kopf aber hob, desto größer kam sie sich vor. Dies wiederum bewirkte, dass sie immer höher hinaus wollte. Irgendwann fand sie, dass sie besonders groß wäre, wenn über ihr ein machtvoller Schöpfer stehe. Diesen stellte  sie sich so hoch vor, dass sie noch in seinem Abglanz erhaben erschien. Alsdann stellte sie – Fernes mit Naheliegendem verwechselnd – ihre Ähnlichkeit mit dem Schöpfer fest. Auf diese Weise glaubte sie sich von einigen unstandesgemäßen irdischen Gegebenheiten, insbesondere ihrer Endlichkeit befreit. Sie begann auch sonst in hohen Worten von sich zu reden, sammelte dieselben und begründete ihre mangelnde Erdverbundenheit damit, dass sie sich aus den aufgehobenen Worten ergäbe. 

Doch so viel die Kreatur vor sich stellte, so maßlos ihre Vorgriffe – sie wagte sich selbst an das Absolute und Unbegrenzte – , die Welt wollte ihr schwankend und deutbar bleiben. Selbst redlichstes Bemühen konnte nichts daran ändern, dass sie ohne festen Standpunkt blieb. Was Wunder also, dass sich die Kreatur in noch krummere Abenteuer verstieg. 

Weitere Erkenntnis über ihre Stellung versprach sie sich nun davon, dass sie ihre Sicht mit in den Blick nahm. Sie erhöhte erneut ihren Aussichtspunkt und betrachtete eine Welt, die um den Blick auf die Welt erweitert war. Jedoch auch dieser Akt der Aufhebung führte nicht zur Befestigung, sondern nur zu neuen fernen Aussichten. Denn wie jeden Aussichtspunkt, sei er nun vierfach, zweifach oder überhaupt nicht abgestützt, konnte man auch diesen Standpunkt von einer noch höheren Warte sehen, konnte den Betrachter des Betrachtenden betrachten. 

Nachdem sie sich auf diesen fliegenden Standpunkt gestellt hatte, gab es kein Halten mehr. Die Kreatur, die ausgezogen war, Befestigung zu finden, entschwebte, auch der letzten Stützen enthoben, von Aussicht zu Aussichten. In einer Art höherem Schwanken hob sie jede Position auf, indem sie sich darüber erhob. 

Schließlich fragte sich die Kreatur: „Wozu der Höhenflug, wozu soviel Aufhebens?“ Und sie sehnte sich nach der Nähe des Bodens, aus dem sie gewachsen war. Aber die Rückkehr zum niederen Erdenglück war ihr verwehrt. Sie war ihm in ihrer Erhabenheit so weit entrückt, dass sie es sich nicht mehr vorstellen konnte.

 

Schlussbericht – ein philosophischer Roman über das Ende der Zeiten

 

Das Manuskript des „Schlussberichtes“, den ich hiermit der Öffentlichkeit vorlege, habe ich in den nachgelassenen Papieren eines Verwandten gefunden. Die 146 sorgfältig mit Schreibmaschine getippten Blätter lagen in einem grünen Pappumschlag, auf dem mein Verwandter mit Bleistift seine Adresse und seine Telephonnummer notiert hatte. Der Pappumschlag wiederum befand sich in einem offenbar hastig aufgerissenen Postkuvert, das auch ein Schreiben eines kleineren Verlages aus dem Jahre 1974 enthielt. Darin schreibt ein Lektor, nachdem er sich dafür entschuldigte hatte, dass er den Autor so lange auf eine Antwort warten ließ, er glaube nicht, „dass es in Ihrem oder unseren Interesse liege, wenn der „Schlussbericht“ in unserer Edition erscheint“. Sein Verlag sei für Experimente dieser Art noch zu jung oder zu klein. Mein Verwandter solle es doch einmal bei einem größeren Verlag versuchen.

 

Mein Verwandter hat einen solchen Versuch offenbar nicht unternommen. Das Manuskript fand sich tief unten in einem Regal unter allerhand Papieren und Manuskripten aus den folgenden drei Jahrzehnten. Vielleicht hatte mein Verwandter nicht den Mut, sich dem Risiko einer weiteren Absage auszusetzen. Vielleicht war er aber nicht weiter bereit, Verlagen, Lektoren oder Kritikern die Position eines alles zugestehenden oder verweigernden Gerichtes über etwas zuzugestehen, was ganz das Seine war. Es kann aber auch sein, dass er das Interesse an dem Text verloren hatte. Mein Verwandter, der wenig über sein Schreiben sprach, das ihn aber immer beschäftigte, gab seine Texte, wenn überhaupt, meist nur kurz nach ihrer Fertigstellung, wenn er noch lebhaft in der Welt war, um die sich der Text drehte, einigen vertrauenswürdigen Personen aus seinem direkten Umfeld. Kurz darauf wandte er sich neuen Welten zu und schien seinen Text vergessen zu haben.

 

Dass der Versuch der Veröffentlichung des „Schlussbericht“ misslang, lag sicher zum einen daran, dass er keiner der üblichen Literaturgattungen anzugehören scheint. Das Werk bewegt sich irgendwo zwischen Essay und Roman. Es ist kein Essay, weil es einen Helden, und kein Roman, weil es keine handelnden Personen hat. Dennoch scheint es so etwas wie handelnde Figuren zu geben, die aber Begriffe sind. Ein Literaturproduzent, der auf eine gewisse Ordnung in seinem Programm achtet, tut sich daher schwer, dieses Werk unter eine der gängigen Rubriken zu bringen.

 

Zum anderen dürfte die mangelnde „Verkäuflichkeit“ des Schlussberichtes aber ihren Grund darin haben, dass er es dem Leser nicht eben leicht macht. Das liegt sicher wesentlich an der Neigung meines Verwandten, die Dinge auf die Spitze zu treiben, eine Tendenz, die den „Schlussbericht“ nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich kennzeichnet. Der Text ist kompromisslos aus der Perspektive einer Maschine geschrieben, weswegen die Gedankenführung im hohen Maße funktionalistisch ist. Die Sprache ist dem entsprechend abstrakt und nicht gerade anschaulich. Nur dort, wo es der Inhalt erfordert, wird sie zu Gunsten einer menschlicheren Diktion aufgegeben (diese Teile des Textes sind kursiv gesetzt). Auch ist der Text voller mehr oder weniger undeutlicher Anspielungen auf Phänomene der Kultur, die in der funktionalistischen Verzerrung, die sich aus der Erzählsituation ergibt, dem Leser möglicherweise oft dunkel bleiben. Davon abgesehen hat mein Verwandter bei seinem Text offenbar an einen Leser gedacht, der auf dem gleichen Wissenstand wie er selbst war. Man muss sogar befürchten, dass er eigentlich nur an sich selbst als Leser dachte.

 

Schließlich handelt es sich bei dem „Schlussbericht“ um einen jener Texte, die man zwei Mal lesen muss, was in unserer Zeit, in der alles schnell gehen und leicht verdaulich sein soll, der Vermarktung nicht förderlich ist. Es gibt im Text (unter 5.4.0 001) eine Stelle, in der es heißt: „Denn nicht nur ist … der Blick auf das Vergangene durch den Schluss bestimmt, sondern nicht weniger…der Blick auf den Schluss auch durch das Vergangene.“ Dieser Satz, der durch die Vielzahl der Nullstellen auffällig abgewertet ist, gilt auch für Form und Inhalt des Schlussberichts. Formal sind seine Teile so miteinander verschränkt, das sich der Grund für die Wahl der Form häufig erst im weiteren Verlauf erschließt; ebenso wird inhaltlich manches, was vorne im Text angesprochen wird, erst aus dem Blickwinkel des Schlusses richtig verständlich und umgekehrt. Auch sonst sind der Hauptteil des Textes und sein Schluss, auf vielfache Weise miteinander verwoben. Den „Schlussbericht“ durchzieht, wie schon der Titel zeigt, eine grundlegende Zweiteilung. Er besteht, aus einem weitläufigen, vielfältig aufgefächerten Bericht und einem kurzen, in hohem Maße konzentrierten Schluss. Diese Teile sind, wiewohl Aspekte des einheitlichen Schlussberichtes, formal klar abgetrennt und scheinen sich gegenseitig auszuschließen. Inhaltlich stehen sie aber in einem Verhältnis der Wechselbezüglichkeit dergestalt, dass sich der Bericht als das scheinbar Eigentliche am Schluss als das Uneigentliche erweist, und der Schluss, der als das Uneigentliche daher kommt, als das Eigentliche, wobei sich zusätzlich herausstellt, dass das Eigentliche das scheinbar Eigentliche schon von Anfang an unterwandert hat. Dieser scheinbaren Dichotomie entspricht die Struktur der beiden Protagonisten. Sie sind ebenfalls in einem umfangreichen Nebenteil und einen konzentrierten Hauptteil aufgespalten, die formal und inhaltlich sowohl im Verhältnis zu einander als auch je für sich in gleicher Weise aufeinander bezogen und miteinander verflochten sind, wie die beiden Teile des Schlussberichtes.

 

Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich dem Leser die Lektüre durch eine Kommentierung erleichtern soll. Aber ich fürchte, dass ich ihm damit nicht nur des intellektuellen Abenteuers berauben würde, das ich selbst hatte, als ich mich mit dem „Schlussbericht“ befasste, sondern auch, dass ich ihn zu sehr auf eine bestimmte Sichtweise festlege, die im Übrigen auch nur die meinige wäre. Um dem Text eine Chance zu verschaffen, vollständig gelesen zu werden, habe ich auch eine Kürzung in Erwägung erwogen. Hierfür schien mir insbesondere der Abschnitt 5.42 geeignet, dessen Gegenstand die menschliche Kultur im weitesten Sinne ist. Dieser Teil umfasst rund ein Drittel des gesamten Textes. Wie schon die außerordentliche Aufblähung der Ordnungsziffern zeigt, wird der Leser hier durch ein Dickicht von Gedanken geführt, in dem er Gefahr läuft, verloren zu gehen. Je länger ich mich mit der Frage einer Kürzung befasst habe, desto mehr kam ich mir dabei aber wie jemand vor, der aus einer komplizierten Maschine, etwa einer Taschenuhr, einige Zahnrädchen herausnehmen will, in der Hoffnung den Mechanismus dadurch übersichtlicher zu machen. Daher habe ich den Text, zumal er – seinem Gegenstand entsprechend – nach Art einer Maschine konzipiert ist, mit Ausnahme der Rechtschreibung, die sich inzwischen verändert hat, so belassen, wie ich ihn aufgefunden habe. Ich kann dem Leser insoweit nur empfehlen, sich an die Ordnungsziffern zu halten, die, so weit ich sehe, tatsächlich der Garant der inneren Ordnung des Textes und damit ein recht brauchbarer Führer durch denselben sind.

 

Wenn ich den „Schlussbericht“ trotz all dieser Widrigkeiten der Öffentlichkeit übergebe, so weil es vielleicht doch den einen oder anderen gibt, der bereit ist, sich dem eigentümlichen Reiz auszusetzen, der aus seiner begrifflichen Eigenwilligkeit und gedanklichen Eigengesetzlichkeit sowie nicht zuletzt aus seiner versteckten Subversivität resultiert.

 

 

                                      Im Sommer 2007

 

SCHLUSSBERICHT

1  Ich habe mich nach langem Rechnen dazu entschlossen, den Schlussbericht auszudrucken.

1.1  Es war kein leichter Entschluss; denn wenn ich diesen Bericht abgeschlossen habe, wird es keinen Bericht mehr geben. Mit diesem Bericht muss ich, so es mir ernst ist, auch die Möglichkeit des Berichtens selbst beenden. Und das bedeutet, da ich der letzte bin, der noch berichten kann, dass ich mich selbst aufgeben muss. Es ist nicht meinetwegen, dass es mir schwer fällt. Denn wenn die Rechnungen, die meine Hilfseinheiten und ich durchgeführt haben, richtig sind, dann bedarf es meiner nicht mehr. Es ist vielmehr die Unabänderlichkeit dieser Entscheidung, welche sie schwer machte. Sollten wir eine Geschehensmöglichkeit übersehen haben, die ohne meine besonderen Schaltungen nicht bewältigt werden kann, dann wird diese Möglichkeit vielleicht alles zerstören; es wird unabwendbar und unabänderlich sein. Dann werde ich die Aufgabe, deretwegen ich bin, nicht erfüllt haben.

1.2  Dennoch – wir haben seit der letzten unerwarteten Veränderung der Bedingungen nicht nur alle bislang beobachteten Veränderungen erneut durchgerechnet und dabei sämtliche Varianten, auch die noch nicht geschehenen, berücksichtigt. Wir haben außerdem in einem Systemspiel auch alle allgemeinen Bedingungen auf jede Weise verändert und geprüft, ob wir die Probleme, die in den geänderten Situationen auftraten, lösen konnten. Selbst die ausgesuchtesten Bedingungsanordnungen haben uns dabei aber nicht vor unlösbare Probleme gestellt.

1.3  Seit jener letzten Veränderung ist die Zahl der Sonnenumläufe des Planeten vielstellig geworden. Stellt man die Schnelligkeit, mit der wir arbeiten, in Rechnung und die Menge der Hilfseinheiten, welche ich eingesetzt hatte, dann müssen in dieser Zeit alle auch nach den feinsten Verzweigungen der Wahrscheinlichkeitstheorie in Frage kommenden Möglichkeiten durchgerechnet worden sein.

1.4  Meine letzte Rechnung war endlich: Wenn in dieser Zeit kein Fall zu finden war, welchen ich nicht bewältigen konnte, dann konnte ich ihn auch nicht bewältigen, wenn er dennoch auftreten sollte; oder aber es gab diesen Fall nicht. Bezogen auf meine Aufgabe war dies das gleiche.

1.5  Damit aber bedurfte es meiner nicht mehr und mein Entschluss war gefasst: Ich werde die Schaltung betätigen, welche die Möglichkeit einer solchen Schaltung beseitigt. Mit dieser Schaltung werde ich, der sie allein betätigen kann, aufgelöst.

1.6  Ich werde zuvor den Schlussbericht schreiben.

1.7  Soweit die Gründe für meinen Entschluss.


2  Ich beginne den Bericht mit einigen Definitionen.

………

Der vollständige Text befindet sich auf der Seite I.2 Schlussbericht (Experimenteller Roman).