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Charles Villiers Stanford (1852- 1924) – Magnificat

Stanford war, wiewohl Ire, gemeinsam mit seinem Altersgenossen Edward Elgar einer der frühen Protagonisten der „Englisch musical renaissance“, die das Königreich nach einer Durststrecke von 200 Jahren ab Ende des 19. Jh. in einer geradezu strategisch geplanten Anstrengung wieder auf die Höhe der europäischen Gesamtentwicklung brachte. Die Mission erfüllte er vor allem als kompromissloser Kompositionsprofessor in London und Cambridge. Die Namen seiner Schüler lesen sich wie ein Who is Who der neueren englischen Musikgeschichte. Darüber hinaus ist er aber auch der Schöpfer eines umfangreichen musikalischen Oeuvres. Dessen Stil orientiert sich an den deutschen Romantikern, bei denen er in die Schule ging. Stanford absolvierte einen Teil seiner musikalischen Ausbildung am Mendelssohn-Konservatorium in Leipzig, einer der Brutstätten der deutschen Romantik, und war unter anderem mit Johannes Brahms befreundet, als dessen englischen Verwandten man ihn gerne bezeichnete. Sein Werkverzeichnis umfasst alle Gattungen, darunter sieben Symphonien, elf Opern und allerhand Kammermusik. Am bekanntesten ist aber seine vokale Kirchenmusik, die vor allem in England gepflegt wird. Dazu gehören sechs Vertonungen des Magnificat, dem Lobgesang Mariens nach der Ankündigung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel, mit dem die Weihnachtszeit beginnt. Stanford vertonte es meist in Verbindung mit dem „Nunc dimittis“, dem Lobgesang des greisen Simeon anlässlich der Darstellung Jesu im Tempel, mit deren Feier am der 2. Februar, „Mariä Lichtmess“,  die Weihnachtszeit endet.

Johann Christoph Pez (1664 – 1716) – „Concerto Pastorale“ für zwei Blockflöten und Streichorchester

Pez wuchs in München auf, verbrachte längere Zeit in Italien und Bonn und kam nach erneuter Tätigkeit in München im Jahre 1706 nach Stuttgart, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Als Oberkapellmeister betreute er am protestantischen Hof Württembergs, wiewohl katholischen Glaubens, die Kirchenmusik, war aber auch für die Tafelmusik sowie Ball und Oper zuständig. Pez Werke waren in der Barockzeit weit verbreitet. Telemann hielt ihn für einen der besten deutschen Komponisten. Bach führte seine Werke in Leipzig auf. Pez gilt als Anhänger des französischen Stils eines Jean-Baptiste Lully, dem Hofkomponisten Ludwigs XIV., wurde aber auch von Arcangelo Corelli beeinflusst, dessen Musik er während seines dreijährigen Studienaufenthaltes in Rom kennen gelernt hatte. Heute ist dieser Komponist, leider auch in seiner Wahlheimat Stuttgart, weitgehend unbekannt, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass der größte Teil seiner Werke noch der Entdeckung harrt. Wie meisterlich Pez komponierte, lässt das „Concerto Pastorale“ für zwei Blockflöten und Streichorchester erkennen, das für die Weihnachtsliturgie geschrieben wurde.

Giovanni Paisiello (1740–1809) – Weihnachtsmotette „Pastorali jam concentu“

Paisiello ist eine jener zahlreichen italienischen Künstler, welche den italienischen Stil weit über ihr Heimatland verbreitet haben. Seine musikalische Heimat war Neapel, das im 18. Jh. eines der Hauptzentren der Musikpflege in Italien war. In der süditalienischen Metropole erhielt er seine musikalische Prägung und verbrachte hier seine ersten und letzten Lebensjahrzehnte, wobei er sich in jenen politisch unruhigen Zeiten mit den unterschiedlichsten Herrschern zu arrangieren wusste. Dazwischen war er acht Jahre in führender Stellung am Hof Katharinas II. in St. Petersburg. Außerdem komponierte für den König von Polen, für Kaiser Josef II. in Wien sowie für Napoleon in Paris. Paisiello war im Wesentlichen ein Opernkomponist. Er schrieb rund 100 Werke dieser Gattung, wobei der Schwerpunkt bei der komischen Oper lag. Das Spektrum der musikdramatischen Themen ist außerordentlich weit. Die Auflistung seiner Operntitel gleicht einem Gang durch die Kulturgeschichte des 18. Jh. Paisiello verfasste aber auch eine ganze Reihe kirchenmusikalischer Werke. Dazu gehört die weihnachtliche Motette „Pastorali jam concentu“, welche die Stimmung der außerordentlich phantasievollen neapolitanischen Krippen zu beschwören scheint.

Peter Cornelius (1824 – 1874) – Weihnachtslieder Op. 8

Peter Cornelius wuchs in Mainz auf, wo heute das Konservatorium nach ihm benannt ist. Im Alter von 20 Jahren holte ihn sein Onkel und Pate, der Maler gleichen Namens, nach Berlin, wo er Musik studierte und in den Kreisen der Romantiker um Bettina v. Arnim verkehrte. Mit einer Empfehlung seines Onkels ging er 1852 auch nach Weimar, wo er zum Altenburger Freundeskreis um Franz Liszt gehörte. Seiner Doppelbegabung entsprechend betätigte er sich zunächst in der Hauptsache als Musikschriftsteller, wobei er in Pressekampagnen die Sache der Neudeutschen Schule um Liszt vertrat. Über Liszt kam Cornelius in Kontakt zu vielen Vertretern der künstlerischen Romantik, darunter auch Richard Wagner, mit dem er später zusammenarbeitete. Liszt förderte Cornelius musikalische Entwicklung, indem er den gläubigen Katholiken dazu anregte, geistliche Musik zu schreiben. Im Jahre 1858 hob Liszt auch Cornelius’ bekanntestes Werk, die Oper „Der Barbier von Bagdad“, aus der Taufe. Intrigen im Zusammenhang mit dieser Aufführung führten schließlich sogar dazu, dass Liszt seine langjährige Tätigkeit in Weimar aufgab.

Cornelius hat in der Hauptsache Vokalmusik in einem durchaus persönlichen romantischen Stil komponiert, nicht zuletzt zahlreiche Lieder. Darunter befinden sich auch die Weihnachtslieder Op. 8 aus den Jahren 1858 und 1870, die sich durch ein sehr eigenständiges weihnachtliches Kolorit auszeichnen. Auch hier hatte Liszt die Hand im Spiel. Im Lied „Die Könige“ hat Cornelius auf dessen Anregung in die Begleitung die Melodie des Weihnachtsliedes „Wie schön leucht uns der Morgenstern“ eingearbeitet. Die Lieder sind ursprünglich für Sopran und Klavier gesetzt. In Bearbeitungen wurde die komplexe Begleitung später in Orchesterstimmen aufgefächert.

Antonio Bertali (1605 – 1669) – Weihnachtsmotette „Ecce, Illuxit nobis“

Bertali ist ein Glied in der langen Kette von italienischen Komponisten, welche das Wiener Musikleben in der Barockzeit prägten. In Verona geboren kam er im Alter von 20 Jahren in die kaiserliche Hauptstadt, wo er über mehr als vier Jahrzehnte bis zu seinem Tod blieb. Bertali war am kaiserlichen Hof hoch geschätzt. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass er über 600 Werke aller Gattungen komponierte, darunter sehr viel Kirchenmusik. Von den diesen Werken weiß man heute allerdings nur noch durch alte Werkverzeichnisse. Das meiste davon ist verloren gegangen. Bertali brachte den opulenten Musikstil seiner Heimat, der unter dem Einfluss der venezianischen Musikpraxis stand, mit nach Wien. Typisch hierfür sind Vielstimmigkeit und Vielchörigkeit, wobei unter Chor nicht nur eine Mehrzahl von Sängern sondern jede selbständig agierende Gruppe von Musikanten zu verstehen ist. Diese Merkmale finden sich auch in seiner Weihnachtsmotette „Ecce, Illuxit nobis“, bei der drei Gesangssolisten, drei Blockflöten, ein sechsstimmiger Chor und Streichorchester gruppenweise miteinander konzertieren.