Archiv der Kategorie: Lessing

Ein- und Ausfälle – Lessing als Aufklärungshilfe für den Islam

Womit man sich die Wiederholung von endlosen und aufreibenden Auseinandersetzungen sparen könnte: indem man die Moslems dazu bringt, sich mit den religionskritischen Schriften Lessings zu befassen, insbesondere seinen „Axiomata“ zur Bibelkritik und seinen 100 Thesen zur Erziehung des Menschengeschlechtes, in denen er zeigt, dass der Glaube auch ohne die Fixierung auf ein heiliges „Elementarbuch“ weiterleben kann. Es könnte den Moslems helfen, die existenzielle Angst vor dem Verlust der Autorität ihres heiligen Buches zu überwinden, die viele immer noch befällt, wenn sie auch nur anfangen darüber nachdenken, was Offenbarung bedeutet und ob wirklich alles, was in ihrem Grundbuch steht, die Qualität von göttlicher Wahrheit haben muss, eine Angst, welche die christlichen Theologen und in ihrem Gefolge die Herrscher, welche  ihr Recht auf die Macht aus der Religion ableiteten, früher auch einmal mächtig verunsichert und Lessing, der  die Religion nicht zerstören, sondern für eine aufgeklärte Welt retten wollte,  das Leben nicht leicht gemacht  hat.

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Ein- und Ausfälle – Nichts als (die) Wahrheit

Lessing sagte, wenn Gott ihn wählen ließe zwischen dem Besitz der reinen Wahrheit und dem immer regen Trieb nach Wahrheit mit der Möglichkeit, sich immer und ewig zu irren, würde er sich für letzteren entscheiden (weil die reine Wahrheit nur für Gott allein sei). Der Gedanke ist menschlich (bescheiden), führt aber nicht weit. Niemand gibt uns die Wahl.

Ein- und Ausfälle – Nathans Weisheit

Man kann aus der Verwandtschaft der drei nahöstlichen Religionen, weise wie Nathan, den Schluss ziehen, dass ihnen ein gemeinsamer wahrer Kern zugrunde liege; oder man kann, was als unweise gilt, aus dem Umstand, dass jede die Wahrheit für sich in Anspruch nimmt, schließen, dass alle drei (gleich) weit davon entfernt sind.

Ein-und Ausfälle – Sprengkaft von Lessings „Natan der Weise“

Nach der Ringparabel in Lessings „Nathan der Weise“ soll der (originale) „Ring“, den jede der drei großen Offenbarungsreligionen vom Vater erhalten zu haben meint, die geheime Kraft haben, „vor Gott und den Menschen angenehm zu machen“. In einem Halbsatz streut Lessing allerdings mit fast schon maliziöser Beiläufigkeit ein, das gelte (nur) für den, „der ihn in dieser Zuversicht trug“. Tatsächlich enthält diese Einschränkung, die bei Boccaccio, der die Ringparabel auf die große europäische Bühne brachte, noch fehlt, eine Menge Sprengstoff. Denn sie reduziert die Kraft des Ringes weitgehend auf ein (sozial)psychologisches Phänomen. Kein Wunder, dass Lessing in einer Notiz, die sich in seinem Nachlass fand, feststellte, er „kenne keinen Ort in Deutschland, wo dieses Stück jetzt aufgeführt werden könnte“. In Deutschland kann man den „Nathan“ inzwischen überall spielen, wenn auch mancherorts möglicherweise nur deswegen, weil man das Gewicht des Nebensatzes nicht realisiert. Gerade dieser dürfte aber der Grund dafür sein, dass es in der Welt zunehmend mehr Orte gibt, an denen man das Stück nicht aufführen könnte.