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Ein- und Ausfälle – Lob des Marktes?

Von der Demokratie sagt man, sie sei keine gute Staatsform, es gebe aber keine bessere. Daher hat man gegen die Möglichkeiten des Missbrauches, deren man sich im Laufe der Zeit immer bewusster wurde, allerhand checks and balances eingebaut. Vor allem hat man die Gewalten geteilt, um eine Monopolisierung der Macht zu verhindern. Die Kraft der Demokratie resultierte aus dem Misstrauen, das man ihr entgegenbrachte.

 

Vom Markt hat man lange Zeit gehört, dass er die beste Wirtschaftsform sei. Er sei so gut, dass er sogar die Lösungen für etwa auftretende Probleme mitliefere. Daher hat man nur wenige Vorkehrungen gegen die Möglichkeiten des Missbrauches, deren man sich dazu immer weniger bewusst wurde, ein- und viele sogar abgebaut. Vor allem wurde die Kontrolle der Managerkaste vernachlässigt, was zu einer monströsen Oligarchisierung der Macht führte. Darüber ist der Markt ins Kraut geschossen. Im Jahre 2008 musste man, erstaunlicherweise völlig überrascht, seine hohe Fragilität, einen weitgehenden Verfall der Kräfte seiner hochgelobten unsichtbaren Hand und Schäden in einem Ausmaß  konstatieren, wie man sie im politischen Bereich von Diktaturen kennt. Hätte man dem Markt als Wirtschaftsform das gleiche Misstrauen entgegengebracht wie der Demokratie als Staatsform, wäre uns diese Katastrophe wohl erspart geblieben. Der Markt ist am Lob, vor allem seinem Eigenlob zu Grunde gegangen.

 

 

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Ein- und Ausfälle – Markt und Menschlichkeit

Die Tatsache, dass der Marktmechanismus an jedem Fleck der Erde zu gelten scheint, deutet darauf hin, dass er eine anthropologische Konstante ist. Für den Menschen wäre dies nicht eben schmeichelhaft. Denn bei der Bestimmung des Preises durch Angebot und Nachfrage geht es in aller Regel nicht gerade vornehm zu. Wer herausfinden will, welcher Preis erzielt werden kann oder zu bezahlen ist, kann kaum den aufrechten Gang wagen. Er muss stets auf der Hut sein, muss taktierend ausloten, wie weit er gehen kann, darf sich nicht in die Karten schauen lassen, darf sich keine Blöße geben und muss den Mangel derselben vortäuschen. Darüber hinaus muss er bereit sein, sein Gegenüber in die Enge zu treiben und bei ihm Probleme zu konstruieren oder zu provozieren. Mit anderen Worten, die Beteiligung am Marktgeschehen setzt die Bereitschaft voraus, listig und unehrlich zu sein und die Schwächen anderer auszukundschaften und auszunutzen. „Bestes“ Beispiel: der Markt für illegale Drogen.

 

An Versuchen, der Neigung des Menschen zu derart marktmäßigem Verhalten entgegenzuwirken, hat es in der Menschheitsgeschichte nicht gefehlt. Das christliche Mittelalter kannte das Verbot des Zinses und der unangemessenen Bereicherung, die bürgerliche Gesellschaft den ehrbaren Kaufmann. Die Moderne erfand die soziale Marktwirtschaft und die Planwirtschaft, wobei letztere sogar glaubte, weitgehend ohne Markt auszukommen. Sehr erfolgreich waren all diese Versuche nicht. Die Beschränkungen des Mittelalters verschwanden mit dem Niedergang des Christentums, der ehrbare Kaufmann droht zur Rarität zu werden, die soziale Marktwirtschaft gilt mittlerweile als Hindernis für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln und die Planwirtschaft ist am Weltmarkt gescheitert.

 

Im großen und ganzen scheint der Kampf gegen unangemessenes Martktverhalten in den modernen Gesellschaften verloren zu sein. Seit dem Zusammenbruch des Sozialismus, dem man bezeichnenderweise nachsagte, er sei von einem falschen Menschenbild ausgegangen, ist der Markt zum mehr oder weniger konkurrenzlosen Verhaltensmodell geworden. Monopole aber tun dem Markt nicht gut.