1817 Franz Schubert (1797 – 1828) – Streichtrio B- Dur D 581

Schubert war kein Marketingtalent. Wiewohl er nie in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen lebte, hat er im wesentlichen für die Schublade komponiert. Die Produktion von immer neuen Werken war ihm offenbar wichtiger als die Vermarktung. Als er, kaum 30-jährig, starb, war von seinen rund eintausend Kompositionen nur etwa ein Drittel im Druck erschienen, darunter praktisch keine Instrumentalmusik. Dem entsprechend wurde sein Werk in der (Fach)Öffentlichkeit auch kaum wahrgenommen. Zu seinen Lebzeiten erhielt nur ein einziges Werk, eine Klaviersonate, eine gründliche Würdigung.

 

In Schuberts übervoller Schublade fanden sich nach seinem Tod auch zwei Streichtrios, beide in B-Dur, die Schubert im Alter von 19 und 20 Jahren schrieb. Ähnlich wie im Falle Mozarts ist das erste Trio ein Fragment. Es besteht aus einem wunderbar schlüssigen Allegrosatz und aus einem Andante, das nach 39 Takten abbricht. Das zweite Trio ist ein voll auskomponiertes Werk in vier Sätzen, das technisch und musikalisch einen wesentlich höheren Anspruch erhebt. Aus welchem Anlass es komponiert und wann es gespielt wurde, ist nicht bekannt. Möglichweise hat Schubert es, wie so vieles, für sich und seinen Freundeskreis geschrieben. Dafür spricht die Tatsache, dass es ausgeschriebene und korrigierte Stimmen von Schuberts Hand gibt. Nach seinem Tod fand die erste Aufführung erst im Jahre 1869 in London statt. Veröffentlicht wurde es noch später, nämlich 1897, sieben Jahre nach den kleinen B-Dur Trio.

 

Beiden Trios gemeinsam ist die Orientierung an den Vorbildern der Wiener Klassik, was Schuberts damaligem Entwicklungsstand entspricht. Leidenschaftliche Auseinandersetzungen, wie sie seine späte Kammermusik kennzeichnen, werden hier noch nicht geführt. Es herrscht die lichte Stimmung des Divertimentos, wobei sich das große Trio dem Stil des „Trio brillante“ nähert. Schubert hat sich, wie der Vergleich mit seinen gleichzeitig entstandenen Streichquartetten ergibt, offensichtlich intensiv mit den Stil- und Formfragen des Streichtrios auseinandergesetzt.

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