ca. 1820 Vincenzo Bellini (1801 – 1835) – Salve Regina/ Tecum Principium

Von Bellini, der hauptsächlich als Opernkomponist bekannt ist, hat man gesagt: er kam, glänzte und starb. Von seiner süditalienischen Heimat aus eroberte er in jungen Jahren die Mailänder Scala. Binnen kurzer Zeit verbreiteten sich seine Opern über ganz Europa. Gleichzeitig wurde der blonde Sizilianer zum Liebling der mondänen Gesellschaft. Nach einem letzten rauschenden Erfolg starb er im Alter von 33 Jahren in Paris. Sein Leichenbegängnis glich einem Triumphzug. Hinter seinem Sarg ging alles, was in Frankreich in der Kunst Rang und Namen hatte.

 

Zur Hinterlassenschaft Bellinis gehören 9 Opern, darunter die Meisterwerke „Norma“, „I Puritani“ und „La Sonnambula“. Man rühmte an ihnen vor allem die Melodik. Es hieß, Bellini sei der Engel, der die göttlichen Klänge des Paradieses auf die Erde gebracht habe. Der „Schwan von Catania“ gilt als der Befreier der Melodie aus allen formalen Zwängen.

 

Das Geheimnis von Bellinis Erfolg lag nicht zuletzt in der übersichtlichen Weise, in der er seine Musik verfaßte. Dies rief einerseits Kritiker auf den Plan, die ihm vorwarfen, dem Hörer zu wenig Anstrengung zuzumuten. Man bemängelte, er mache sich die Kunst zu leicht, unter anderem indem er sich selbst kopiere, weswegen ein geflügeltes Wort „Klingt wie Bellini“ lautete. Anderseits wurde der Italiener gerade wegen seiner Volkstümlichkeit gelobt. Richard Wagner, der viel von ihm profitierte (Norma etwa soll das Vorbild für seine Isolde gewesen sein), stellte im Jahre 1837 Bellinis „einfach grandiosen Stil“ und seinen „sicheren und gemessen Periodenbau“ den „romantischen Extravaganzen und Überreizungen in sogenannten pikanten Genüssen“ gegenüber, die in seinen Tagen üblich geworden seien. 1855 nahm der Musikschriftsteller Johann Christian Lobe Bellinis Kompositionsweise und seinen Erfolg zum Anlaß, sich kritisch mit der gedankenschweren und gelehrten Schreibweise der deutschen Komponisten auseinanderzusetzen, wobei er Argumente anführte, die erstaunlich an die heutigen Auseinandersetzungen über die zeitgenössische Musik erinnern. Er bemängelte die „teils beschränkten, teils ganz irrtümlichen, einseitigen Kunstanschauungen manches deutschen dramatischen Komponisten, dessen Opern gar nicht auf eine Bühne oder wenn doch auf keine zweite Bühne kommen, und nach kurzen, durch lügenhafte Journalberichte aufgerufenen Scheinleben zum ewigen Schlaf eingehen“. Im Gegensatz zu Bellini glaube mancher deutsche Künstler, sein hohes Ideal zu entwürdigen, wenn er auf das Bedürfnis und die Bildung seiner Zeit nur die geringste Rücksicht nehme.

 

Neben seinen Opern komponierte Bellini in jungen Jahren auch zahlreiche weltliche und kirchliche Kompositionen, darunter das „Salve Regina“ und das „Tecum principium“. Letzteres ist das einzig verbliebene Fragment eines von Bellini vertonten weihnachtlichen Liturgietextes.

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