1881 Alexander Borodin (1833-1887) – Streichquartett Nr 2 D-Dur

Russland ist erst im 19. Jahrhundert auf die Bühne der Kunstmusik getreten. Zu den Pionieren dieser Entwicklung gehört Borodin. Er war Mitglied einer der ersten musikalischen Bewegungen Russlandes, des „Mächtigen Häufleins“ um Mili Balakirew, die eine nationale Musik mit Betonung des asiatisch-orientalischen Elementes Russlands zu etablieren versuchte.

 

Die ersten Vertreter dieser Bewegung betrieben die Musik noch weitgehend wie eine Liebhaberei. Sie waren Autodidakten und übten einen bürgerlichen Beruf aus. Borodin etwa war von Haus aus Mediziner und als Professor der Chemie einer der führenden Wissenschaftler seines Landes. Um so erstaunlicher ist, welchen Grad an Professionalität er in seiner musikalischen Produktion erreichte.

 

Borodins musikalisches Werk ist nicht sehr groß, hat aber eine beachtliche Spannbreite. Sie reicht von der Kammermusik über Salonpiece, Tanz, Lied, symphonische Dichtung und Symphonie bis hin zu Oper und Ballett. Bekannt sind neben seiner Oper „Fürst Igor“ etwa seine „Polowzer Tänze“ und seine „Steppenskizze aus Mittelasien“. Zu seinen Markenzeichen gehört aber auch sein zweites Streichquartett.

 

Bemerkenswert ist, daß sich Borodin überhaupt mit der Gattung des Streichquartettes befaßte. Eine gewachsene Quartetttradition gab es zu seiner Zeit in Russland nicht. Die russischen Musikenthusiasten um Balakirew spielten zwar Quartett, weil dies eine anspruchsvolle Form der privaten Beschäftigung mit Musik war. Borodin lernte zu diesem Zweck sogar eigens das Cellospiel. Auch fertigte man für die berühmten Freitags-Gesellschaften bei dem Verleger und Mäzen Belaieff kurze Quartettsätze, wobei teilweise mehrere Personen ein Stück erarbeiteten. Als kompositorische Gattung schätzten Borodins Mitstreiter im „Mächtigen Häuflein“ das Quartett aber nicht sonderlich. Man war der Auffassung, es lohne sich nicht, sich auf wenige und dazu gleichartige Instrumente zu beschränken, wenn man die reiche Besetzung des modernen Orchesters zur Verfügung habe. Borodins zwei Quartette sind daher die ersten ernstzunehmenden Werke dieser „Königsdisziplin“ in Rußland. Mit dem zweiten Quartett ist zugleich ein Höhepunkt der Quartettliteratur überhaupt erreicht.

 

Das Werk, das im Jahre 1881 entstand, verdankt seine große Popularität in der Hauptsache dem außerordentlich lyrischen dritten Satz, einem asiatisch anmutenden Notturno, dessen Thema vom Cello eingeführt wird. Aber auch die anderen Sätze des Werkes sind voller mitreißender Einfälle und sind kunstvoll verarbeitet. Borodin hat das Werk seiner Ehefrau gewidmet, zu der er – nach der Musik zu urteilen – eine starke emotionale Bindung gehabt haben muß.

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