1868 Edvard Grieg (1843 – 1907) – Klavierkonzert a-moll

Der Norweger Grieg ist eine Figur der europäischen Musiklandschaft, mit der die Kritiker gelegentlich ihre Schwierigkeiten hatten. Man hat ihn unter anderem abwertend als Klassiker der Unterhaltungsmusik bezeichnet und ihm vorgeworfen, es komme ihm hauptsächlich auf äußere Reize, technisch virtuose Kniffe und Farbenkünste an. Von „Himmel und Äther, Menschenglück und -qual“ sei seine Frohnatur nur leise beglückt worden. Andere haben ihn etwas herablassend als Großmeister einer kleinen Nation bezeichnet, der gemessen an den Maßstäben der großen Musiknationen ein liebenswerter Kleinmeister sei.

 

Auch Griegs Klavierkonzert, das im Sommer 1868 in einem Gartenhäuschen in der Nähe von Kopenhagen entstand, wurde von unfroheren Naturen zunächst abgelehnt. Der schwerblütige Liederkomponist Hugo Wolf etwa, welcher der Fraktion der musikalischen Neuerer um Wagner anhing, schrieb im Jahre 1885: „Das a-moll Konzert von Grieg mögen aber die Konzertgeber sich und dem Publikum künftighin schenken. Dieses musik-ähnliche Geräusch mag vielleicht gut genug sein, Brillenschlangen in Träume zu lullen oder rhythmische Gefühle in abzurichtenden Bären zu erwecken; – in den Konzertsaal taugt es nicht, man hielte es denn mit den Sudanesen und ließe sich die Pflege ihres melodischen Charivari angelegen sein – dann allenfalls.

 

Nichtsdestoweniger fand das Klavierkonzert, das am 3. April 1869 in der dänischen Hauptstadt erstmalig aufgeführt wurde, sofort die Anerkennung der Pianisten und der Musikliebhaber. Es trug entscheidend dazu bei, daß Grieg zu einem der beliebtesten Komponisten seiner Zeit wurde. Noch heute ist es eines der am meisten gespielten Konzerte der Klavierliteratur. Seine Beliebtheit verdankt das Werk, wie die sonstige Musik Griegs, der Tatsache, daß es in exemplarischer Weise die bürgerliche Kultur der Zeit vor der Jahrhundertwende widerspiegelt. Es hat etwas von der Emphase und der Poesie der Gründerzeitarchitektur. Wie diese hat man Griegs Musik, auch wenn es dabei vielleicht nicht immer um „Himmel und Äther, Menschenglück und -qual“ gehen mag, nach zwischenzeitlicher Skepsis wieder schätzen gelernt.

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