1837 Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 – 1847) – Psalm 42

Daß Mendelssohn seine Vertonung des 42. Psalms, die auch die Opuszahl 42 trägt, besonders schätzte, dürfte seinen Grund nicht nur in den unbestreitbaren musikalischen Qualitäten dieser gefühlvollen Psalmkantate haben, sondern auch in den erfreulichen Umstände, unter denen das Werk entstand. Mendelssohn komponierte die Kantate nämlich weitgehend während seiner Hochzeitsreise.

 

Im Jahre 1835 hatte Mendelssohn im Alter von 26 Jahren mit der Übernahme des Gewandhausorchesters in Leipzig einen der geschätztesten Musikerposten Deutschlands angetreten und stand im Ruf, der beste Komponist des Landes zu sein. Dennoch begann man sich in seiner Familie angesichts seines „fortgeschrittenen“ Alters zu fragen, ob der gesteigerte Qualitätssinn, der seine künstlerische Tätigkeit kennzeichnete, möglicherweise ein Hindernis bei der Suche nach einer Lebenspartnerin sei. Im Frühjahr 1836 lernte Mendelssohn aber in Frankfurt die 19-jährige Cecilie Jeanrenaud, die Tochter eines früh verstorbenen Predigers der dortigen französisch-reformierten Kirche, kennen. Die junge Dame mit dem Namen der Schutzpatronin der Hausmusik war, wie man auf Bildern nachvollziehen kann, sehr schön und hatte offenbar auch ein angenehmes Wesen. Jedenfalls war Mendelssohn, obwohl sie nicht sonderlich musikalisch war, schon bald in sie verliebt. Im Herbst des gleichen Jahres verlobte man sich, die Hochzeit folgte am 28. März 1837, unmittelbar nach Ende der Leipziger Konzertsaison. Anschließend ging das Paar auf Hochzeitsreise. Die Hochzeitsnacht verbrachte man im „Rheinischen Hof“ in Mainz. Dann fuhr man mit einer eigens gekauften Kutsche das Rheintal hinauf nach Freiburg. Das Wetter freilich war nicht das beste. Zahlreiche Regentage zwangen die Reisenden, sich in Hotelzimmern aufzuhalten. Was für das junge Paar kein Unglück gewesen dürfte, war für die Musikgeschichte geradezu ein Glücksfall. Mendelssohn hatte dadurch nämlich auch immer wieder Gelegenheit zum Komponieren.

 

Die heitere Stimmung der Hochzeitsreise, die sich in einem gemeinsam geführten Tagebuch und in ausführlichen Briefberichten an die alte und neue Verwandtschaft widerspiegelt, hatte außerordentlich positiv Wirkungen auf Mendelssohns Schaffenskraft. An seine Familie schrieb er: „Es arbeitet sich jetzt gar zu schön und lustig“. Tatsächlich komponierte er in dieser Zeit nicht nur am Psalm 42. Er schrieb auch eine Reihe von Liedern ohne Worte sowie Präludien und Fugen für Klavier und Orgel; außerdem begann er das erste seiner letzten großen Streichquartette und das 2. Klavierkonzert.

 

Zurück in Frankfurt schrieb er an seine Mutter: „Wie die letzten 14 Tage vergangen sind, brauche ich Dir kaum zu sagen, gar zu heiter und vergnügt; ich hatte mirs garnicht denken können, daß ich so ganz glücklich in meinem Leben werden würde, und nun bin ichs. Für mein Leben und für meine Kunst ist das eine solch glückliche Zeit, daß ich nie weiß, wie ich Gott genug dafür danken soll; musikalische Gedanken und Arbeiten voll auf … so darf ich hoffen, daß ich einmal mit der Zeit etwas schreiben werde, daß dem nahe kommt, was ich immer so gern ausdrücken wollte und nur selten kann“.

 

Nach den beschaulichen Tagen in Baden begann freilich schon bald wieder die Hektik, die Mendelssohns Musikerleben ansonsten kennzeichnen sollte. Berufliche Verpflichtungen zwangen ihn, sich von Cecilie auf Wochen zu trennen. Er mußte zum Musikfest nach Birmingham, wo unter anderem der 42. Psalm aufgeführt werden sollte.

 

Schumann rühmte die Komposition als das Werk, mit dem Mendelssohn die „höchste Stufe, die er als Kirchenkomponist, ja die die neuere Kirchenmusik überhaupt erreicht hat.“

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