1788 Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) – Trio für Klavier, Violine und Violoncello G-Dur, KV 564

Mozarts Klaviertrio in G-Dur ist ein spätes Werk in seinem Oevre, aber ein frühes in der Gattung. Von allen Gattungen der (Wiener)Kammermusik hat sich das Klaviertrio am spätesten entwickelt. Es ist nicht etwa, wie man meinen könnte, aus der Triosonate hervorgegangen, die in der Barockzeit in Blüte stand. Bei dieser konzertierten zwei hohe Melodieinstrumente über dem harmonischen Fundament des Generalbasses, der selbst wiederum aus zwei Instrumenten, dem Cembalo und dem parallel laufenden Cello, bestand (an dieser Form des Trios waren also eigentlich vier Instrumente beteiligt). Die Triosonate war eine polyphone Musikform des Generalbasszeitalters, die mit diesem unterging.

 

Das Klaviertrio dagegen resultiert aus einer andersartigen Problemstellung. Die ersten Werke dieser Gattung, die in den 60-er Jahren des 18. Jahrhunderts auftauchten, waren begleitete Klaviersonaten. Die Streichinstrumente, die nach Belieben (ad libitum) auch weggelassen werden konnten, hatten dabei nur die Aufgabe, die Ober- bzw. Unterstimme des Klaviers zu verstärken. Die Notwendigkeit hierzu ergab sich aus den Schwächen des Hammerklaviers, das seinerzeit das Cembalo als Tasteninstrument ablöste. Dieses war in der Höhe eher dürftig und hatte im Baß wenig Resonanz. Geige und Cello zog man hinzu, um einen volleren und nachhaltigen Klang zu erreichen. Sie hatten eine ähnliche Funktion wie heute die Basslautsprecher und die Hochtöner in einer Stereoanlage.

 

Vor allem in den frühen Klaviertrios von Josef Haydn, der sich der Gattung in besonderen Maße widmete, gewann die Geige melodisches Eigenleben. Damit wurde das Klaviertrio zunächst zu einer besonderen Form des Duos. Auch Mozart schrieb mit dem „Divertimento a 3, KV 254, aus dem Jahre 1776 ein solches „Duo“. Ähnlich wie bei der Entwicklung des Streichquartettes war Haydns Pionierarbeit für Mozart der Ausgangspunkt, von dem aus er die Form des Klaviertrios weiterentwickelte, was bei der geradezu symbiotischen Wechselbezüglichkeit des kompositorischen Schaffens der beiden Wiener Klassiker wiederum auf ersteren zurückwirkte. In den fünf „Terzetten“, die Mozart in den Jahren 1786 bis 1788 komponierte, erhält das Cello ein immer größeres Eigengewicht. Damit ist ein wesentlicher Schritt zur ausgereiften Form des Klaviertrios gemacht, bei dem drei melodisch und harmonisch mehr oder weniger gleichberechtigte Instrumente „im Spiel“ sind.

 

Das dreisätzige G-Dur Trio, das im Jahre 1788 entstand, ist Mozart letztes Werk dieser Gattung.. Vielen Kritikern gilt es aber nicht als das Reifste. Man argwöhnte sogar, dass es eine nachträglich mit dem Baß aufgerüstete Violinsonate und damit ein Schritt nach rückwärts sei. Das Trio hat sicher nicht die anspruchsvolle formale Struktur, die Mozarts späte Kammermusik ansonsten kennzeichnet. Auf dem Hintergrund des Wissens, das wir über Mozarts kompositorische Möglichkeiten zur Zeit Entstehung dieses Werkes haben, erscheint es aber unwahrscheinlich, dass seine (relative) Einfachheit etwas mit (ohnehin nur relativer) Einfallslosigkeit zu tun hätte. Ähnlich wie Mozart in seinen Opern auf dem Hintergrund von Hochgezüchteten die wunderbarsten Wirkungen mit dem Einfachen erzielt, dürfte auch hinter der „Einfachheit“ des G-Dur Trios eine ausgefeilte künstlerisches Absicht stecken. Tatsächlich hat Mozart hier eine Musik geschrieben, die nicht beglückender sein könnte.

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