1842 Robert Schumann (1810-1856) – Streichquartett A-Dur, Op. 41. Nr.3

Wie wir aus seinen Tagebüchern und seiner Korrespondenz wissen, gehörte die Kammermusik von Anfang an zu den musikalischen Disziplinen, denen Schumann höchste Priorität einräumte. Zahlreiche Äußerungen aus den Anfangsjahren seiner Komponistentätigkeit zeigen, daß er insbesondere immer wieder Streichquartette schreiben wollte. Mehrfach ist von angefangenen Werken die Rede. Wie wichtig Schumann die Gattung Quartett war, zeigt eine Eintagung in seinem Tagebuch vom Januar 1838, wo es heißt: „B-Dur Quartett von Beethoven, Op. 130, zum ersten Mal gehört: Endziel!.“ Mit großer Begeisterung spielte Schumann (als Pianist) auch selbst Kammermusik. Trotz dieser Wertschätzung findet sich unter den ersten 40 vollendeten Werken Schumanns aber kein einziges Kammermusikwerk. Die ersten 23 mit   Opuszahlen bezeichneten Werke sind ausschließlich Klavierkompositionen; danach folgen im wesentlichen Lieder.

 

Nach intensiven Studien der Werke der Klassiker fühlte sich Schumann im Alter von 31 Jahren dann aber schließlich reif für die Komposition von Kammermusik. 1842 kommt es zu einem regelrechten Kammermusikjahr. Im Sommer dieses Jahres schreibt Schumann binnen sieben Wochen drei Steichquartette, was zeigt, wie sehr er damit schwanger ging (wir wissen aus einer Äußerung Schumanns, daß er ein Werk erst dann niederschrieb, wenn es in seinem Kopf weitgehend konzipiert war). Innerhalb der nächsten sechs Monate folgen noch einmal vier große Kammermusikwerke, diesmal mit Klavier. Für die weiteren elf Kammermusikstücke, die Schumann noch schrieb, sollte er hingegen das ganze schöpferische Jahrzehnt brauchen, das ihm noch verblieb. Mit der Gattung Streichquartett, die ihm so viel bedeutete, hat sich Schumann nach der kurzen Sommerexkursion von 1842 merkwürdigerweise nicht mehr befasst. Vielleicht hat er mit den drei Werken, die er vorlegte, sein „Endziel“ für erreicht gehalten. Dafür spricht eine Bemerkung Schumanns aus dem Jahre 1847, wonach er diese Werke für die besten seiner früheren Zeit hielt, eine Meinung die auch sein Freund Mendelssohn teilte, dem die Werke gewidmet sind. Tatsächlich handelt es sich bei den drei Quartetten Op. 41 auch um außerordentlich reife Werke im Geiste der Romantik, die bis heute zum Kernbestand der anspruchsvollen Gattung zählen.

 

Äußerlich halten sich die Quartette im wesentlichen an die bis dahin übliche Formen. Inhaltlich kam es Schumann allerdings besonders auf Herstellung poetischer Bezüge an. Diese erreichte er insbesondere durch Ableitung des Seitenthemas und der Durchführungselemente aus dem Hauptthema, ein Stilmittel, zu dem ihm das Vorbild Beethovens angeregt haben dürfte, der es seinerseits von Haydn übernommen hatte, was Schumann vermutlich aber nicht wusste. Auch sonst sind die Quartette außerordentlich durchdacht und beziehungsreich. Ein Beispiel dafür sind die Anspielungen an Komponisten oder Werke, die für die Entstehung oder für das tiefere Verständnis der Komposition von Bedeutung sind. Der erste Satz von Op. 41 Nr. 3 etwa enthält ein Zitat aus der Beethovensonate Op. 38. Nr.3. Der vierte Satz zitiert bei einer Passage, die mit „Quasi Trio“ bezeichnet ist, ein leicht abgewandeltes Motiv aus einer französischen Suite von Bach. Damit soll offenbar eine inhaltliche Verbindung zum zweiten Satz dargestellt werden, dessen Variationen tänzerische Elemente nach Art einer Suite enthalten. Derartige satzübergreifende Kompositionselemente gehören generell zu den Mitteln, mit denen Schumann die formale und gedankliche Geschlossenheit des Satzzyklus zu erreichen sucht.

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