1800 Ludwig van Beethoven (1770-1827) – Romanze für Violine und Orchester F-Dur, Op. 50

Romanzen kennt die Musikgeschichte bereits seit vielen Jahrhunderten. Ursprünglich handelte es sich nach literarischem Vorbild um Gesangsstücke romanhaften Charakters, deren Sujets in der Regel aus dem Ritterleben stammten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich daraus die Instrumentalromanze. Damit wurden einzelne Sätze eines größeren Orchesterwerkes mit getragener, liedhaft-einfacher Stimmung bezeichnet. Mozart etwa überschrieb einige langsame Sätze insbesondere in seinen Klavierkonzerten „Romanze“. Mit seinen beiden Violinromanzen löste Beethoven als erster die Instrumentalromanze aus dem Zusammenhang eines größeren Ganzen und machte daraus einen eigenständigen Typus. Damit leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der Piecenliteratur des 19. Jahrhunderts, in dem stimmungsmalende Charakterstücke diverser Schattierungen außerordentlich populär werden sollten.

 

Über die Entstehung der beiden Violinromanzen von Beethoven ist nichts bekannt. Sie wurden vermutlich um das Jahr 1800 komponiert. Offenbar beschäftigte sich Beethoven seinerzeit mit Fragen der Sanglichkeit und der Möglichkeiten des Zusammenwirkens von Solovioline und Orchester. Insofern kann man die beiden Stücke als Vorstudien zum langsamen Satz seines epochalen Violinkonzertes auffassen, das wenige Jahre später komponiert wurde.

 

Das Interesse der Verleger an den Werken war zunächst gering. Die Romanze in F-Dur bot Beethovens Bruder Karl verschiedenen Verlagen, darunter auch Breitkopf und Härtel, mehrmals vergeblich an. Der Erstdruck erfolgte erst im Jahre 1805. Noch zu Lebzeiten Beethovens kamen dann aber mehrere Neuauflagen und verschiedene Arrangements heraus, die zeigen, daß das Werk, ebenso wie das Schwesterstück in G-Dur, beim Publikum außerordentlich beliebt war.

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