1761 Joseph Haydn (1732- 1809) – Symphonie Nr. 8 (Le Soir)

Verglichen mit Mozart und Schubert begann die kompositorische Karriere Haydns eher zögerlich. Neun Jahren als Sängerknabe in der Wiener Hofkapelle folgten acht Jahre, in denen er sich in dürftigen Verhältnissen als Musiklehrer, Organist und Kirchensänger in Wien durchschlug. Der Durchbruch kam mit dem Amt. Mit seiner ersten Anstellung – Haydn war "schon" 27 Jahre alt – legte er den Grundstein für sein einzigartiges symphonisches Werk. Als er zwei Jahre später vom Grafen Morzin in die Dienste des Fürsten Esterházy wechselte, schrieb er zum Einstand bereits die Symphonien Nummer 6, 7 und 8, darunter auch "Le Soir". Das kunstsinnige Haus Esterházy bot Haydn in den folgenden drei Jahrzehnten mit einem eigenen Orchester, einer Opernbühne und viel Sinn für Kammermusik die Arbeitsbedingungen, in denen seine Schöpferkraft mit zunehmendem Alter immer weiter reifte. In diesem perfekten musikalischen Biotop konnte Haydn allein seiner Reihe von insgesamt 104 Symphonien mehr als 80 "Nummern" hinzufügen.

 

Die Symphonie "Le Soir", der Abend, ist die letzte der Tageszeitensymphonien, die Haydn ganz im Sinne der barocken Neigung zur künstlerischen Darstellung von Begriffen komponierte. Im Vordergrund steht nicht, wie in den späteren Symphonien, der Gang des autonomen musikalischen Geschehens, das regelgerecht "durchgeführt" wird, sondern die allegorische Schilderung von themengebundenen Stimmungen und Ereignissen. Dementsprechend geht es in diesen Werken außerordentlich bunt und lebhaft zu. "Le Soir" etwa enthält ein "malerisches" Abendgewitter, das Beethoven bei der Abfassung seiner "Pastorale" Modell gestanden haben dürfte. Beethoven scheint auch von der eindrucksvollen Konfrontation einer lieblich-hellen Melodie mit einem akzentuierten dunklen Thema inspiriert worden zu sein, welches der zweite Satz der Symphonie möglicherweise zur Darstellung des Überganges vom Tag zur Nacht enthält. Das Pendant findet sich im zweiten Satz des 4. Klavierkonzertes von Beethoven. Technisch gesehen ist "Le Soir", wie die Gegenstücke "Le Matin" und "Le Midi", eine Konzertsymphonie. Diverse Instrumente treten immer wieder solistisch hervor, darunter auch heiter rumpelnd und summend der Kontrabaß.

Weitere Texte zu Werken von Haydn und rd. 70 anderen  Komponisten siehe Komponisten- und Werkeverzeichnis

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s