Ein- und Ausfälle – Ketzerei als Funktion des Dogmas

Die Ketzerei ist eine Funktion des Dogmatismus. Dogmatische Gedankensysteme gebären – insbesondere wenn sie einen sozialen Geltungsanspruch erheben – notwendigerweise abweichende Meinungen, allerdings nicht so sehr, weil sie den Trotz derer herausfordern, die sich nicht gängeln lassen wollen, sondern schon weil sie ihrerseits eine Demonstration der freien Meinungsbildung sind. Denn da Dogmen immer etwas Gewillkürtes haben, sind sie Ausdruck der Freiheit dessen, der sie formuliert. Wer aber Freiheit in Anspruch nimmt, setzt den Grund dafür, dass andere sich ebenfalls Freiheit vorstellen können. Indem man Dogmen aufstellt, legitimiert man damit notwendigerweise die Möglichkeit, auch etwas Abweichendes wollen zu können. Erfolg können Dogmen daher nur haben, wenn diejenigen, die sie aufstellen, die Macht haben, diejenigen zu Ketzern zu stempeln, die etwas anderes wollen. Der Kreislauf von Dogma und Ketzerei ist ein Grundmotiv des nahöstlich-europäischen Denkens, aus dem herauszufinden mindestens so schwierig ist wie das Verlassen des Kreislaufes der Wiedergeburten, der ein Grundmotiv des südasiatischen Denkens ist.

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